Generalkapitel der Herz-Jesu-Priester vom 11. Mai bis 12. Juni 2009
Bericht von Mary Gorsky, Sekretärin der nordamerikanischen Provinz
Hier: Die deutsche Übersetzung
1. Juni
Entscheidungen werden getroffen, aber wann?
Die Gruppenarbeit am Montag konzentrierte sich auf das Setzen von Zielen, deren Umsetzung und Auswertung. Was geschieht, wenn das Kapitel eine Entscheidung trifft? Wie entwickelt sich eine Entscheidung von Versammlungen und Dokumentationen hin zu einer umgesetzten Realität?
Die kleinen Gruppen referierten ihre Diskussionsergebnisse. Alle betonten die Notwendigkeit eines Informationsaustauschs um die Aufgaben, die sich während des Kapitels ergeben, beurteilen und auswerten zu können. Dieser Austausch muss innerhalb der Bereiche, zwischen den Bereichen und durch einen Zwei-Wege-Dialog mit der Generaladministration stattfinden. Dialog fördert Mitverantwortung.
Vorgeschlagene Kommunikationsmittel beinhalten regelmäßige lokale und regionale Treffen, Provinzversammlungen, Visitationen, Briefwechsel, Berichterstattung und Austausch mittels des Internets. Auf der Web-Seite der Kongregation unter www.dehon.it könnte eventuell einen passwortgeschützten Bereich installiert werden, in dem Informationen ausgetauscht werden könnten, die nicht notwendigerweise der Öffentlichkeit zugänglich sein sollten.
Die Kommunikation in Bezug auf Entscheidungen sollte über einen Statusbericht hinaus gehen. Sie sollte interaktiv sein. Es bedarf einer Bereitschaft einander auf verschiedenen Ebenen auf brüderliche Weise herauszufordern, angefangen in lokalen Gemeinschaften bis hin zu den Hauptversammlungen, wie die Treffen des Führungsstabes. Kommunikation ist ein wesentliches Mittel bei der Überprüfung und Analyse der Arbeit an einem Projekt. Die Mitglieder einer Gemeinschaft sollten immer bereit sein, ehrlich die Umsetzung einer Aufgabe zu überprüfen. Wenn etwas nicht getan wird, oder nicht gut funktioniert, sollten die Mitbrüder sich selbst fragen, warum dies so ist. Wie kann eine Aufgabe überdacht werden, damit sie effektiver ist?
Die Hilfe außenstehender Experten sollte dann eingeholt werden, wenn die Durchführung und Analyse der Effizienz einer Entscheidung geprüft wird.
Das Teilen von Erfolgen sollte durch die gleichen Mittel, wie oben beschrieben, erfolgen.
Entscheidungen des Kapitels sollten einhergehen mit einer Entscheidung, wer für die Durchführung verantwortlich ist. Prioritäten sollten dahingehend berücksichtigt werden, dass unterschiedliche Bereiche auch unterschiedliche Bedürfnisse und Bedenken haben. Anweisungen der Kongregation können nicht immer nach dem Motto erfolgen: „Eine Größe passt allen.“
Individuelle Meinungen
Nach der Berichterstattung der kleinen Diskussionsgruppen hatten auch Einzelne die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern. Ein Delegierter fragte, ob nicht vielleicht ein wenig zu viel Zeit und Energie darauf verwendet wird zu diskutieren wie Entscheidungen realisiert und überwacht werden. „Wie viele konkrete Entscheidungen werden tatsächlich von dem Kapitel getroffen?“ fragte er. Die Hauptentscheidungsträger der Kongregation treffen sich nur alle sechs Jahre. Wäre es nicht besser einen Weg zu entwickeln, wie sich die Entscheidungsträger der Kongregation öfter treffen könnten, anstatt darauf zu schauen, wie Entscheidungen während der sechs Jahre realisiert werden?
Ein weiterer Delegierter erinnerte das Kapitel, dass die Gebiete der Kongregation nicht gleichberechtigt sind. Sie haben nicht alle die gleichen Befürchtungen. Entscheidungen des Kapitels sollten nach Prioritäten geordnet auf die Gegebenheiten eines jeden Gebiets zugeschnitten und angepasst werden.
Wie können Delegierte Entscheidungen des Kapitels nach Prioritäten ordnen, wenn tatsächlich jedoch nur wenige Entscheidungen getroffen werden, gab ein Delegierter zu bedenken. Dieser Prozess der Durchführung und Überprüfung von Entscheidungen des Kapitels scheint zu theoretisch zu sein. Bei welchen Entscheidungen soll dieser Plan tatsächlich nützen?
P. Ornelas erinnerte die Delegierten daran, dass das Kapitel durch die Arbeit der vergangenen zwei Wochen auf Prioritäten gestoßen ist, die später durch das Synthesekomitee weiter definiert und analysiert wird. Das Kapitel befindet sich mitten in einem organischen Prozess.
Als Antwort darauf wunderte sich ein Delegierter, ob dem Kapitel genügend Zeit zur Verfügung steht um diese Aufgaben zu bewältigen. Es gibt noch immer juristische Bedenken und verschiedene Berichte der Bezirke und Projekte. Muss das Kapitel nicht erst alle Berichte gehört haben und sich um die juristischen Aufgaben kümmern, bevor man anfangen kann Entscheidungen zu identifizieren? Besteht genügend Zeit für all dies?
Ein weiterer meinte, dass religiöse Gemeinschaften viel von der Geschäftswelt lernen könnte, wenn es Entscheidungsfindung und Analyse geht. „Wir müssen lernen Zielen Prioritäten zu setzen und Wege zu identifizieren, diese auch umzusetzen“ meinte er, indem er hinzufügte, dass die Kongregation oft eine Entscheidung trifft ohne an ihre praktische Umsetzung zu denken.
„Wir kommen immer wieder auf die gleichen Themen zurück“ sagte ein anderer Delegierter. Das Teilen von Ressourcen und die Bedarf einer größeren Brüderlichkeit kommt immer wieder auf. Vielleicht sollte der Fokus des Kapitels einfach darauf liegen, Wege zu finden, wie diesen Themen lokal und auf der Ebene der Kongregation nachgegangen werden kann.
Synthese
Am Nachmittag verteilte das Synthesekomitee eine Liste von Themen, die sie sowohl durch die Gruppendiskussionen als auch durch die persönlichen Meinungsäußerungen während der Plenarversammlungen identifiziert haben. Sie haben die Themen in drei Kategorien, die alle auf die Liebe des Herzens Christi basieren, aufgeteilt: 1) Spiritualität, 2) Gemeinschaft und 3) Mission. Jedes dieser Themen hatte verschiedene Unterkategorien, die bereits in vorhergehenden Berichten zur Sprache kamen, so wie die bessere Ausnutzung der Studienzentren, Solidarität, Planung, Ausbildung der Ökonomen, kollaborative Projekte, verstärkte Bemühungen innerhalb der Berufungs- und Jugendpastoral, sowie eine bessere Kommunikation.
Das Kapitel wird weiter daran arbeiten die Themen zu identifizieren, die für weitere Aufmerksamkeit an die nächste Administration weitergeleitet werden sollen und in welcher Form.
Juristische Angelegenheiten
P. Marek Stoklosa besprach die Normen der Administration für Temporäre Güter, eine Ausarbeitung die von dem letzten Generalkapitel in Auftrag gegeben wurde. Es wurde bereits von der jetzigen Administration gebraucht und muss nun noch von dem Kapitel für eine weitere Nutzung abgesegnet werden. Die Delegierten haben bis Freitag Zeit Anträge bezüglich der Normen einzureichen.
Die Philippinen und Indien
Die heutigen Berichter der Bezirke kommen von den Philippinen und Indien.
P. Rino Venturin, Provinzial des philippinischen Bezirks, lieferte Hintergrundinformationen über die Gegenwart der SCJ im Land. Er bemerkte, dass die ursprünglichen Missionare in den Vereinigten Staaten sechs Monate lang vorbereitet wurden, bevor sie 1989 auf die Philippinen kamen. Am ersten Tag des Kapitels feierte das Gebiet das 20-jährige Jubiläum der Präsenz der SCJ. Das erste Jahr verbrachte man damit, Land und Leute kennen zu lernen, um zu entscheiden, wie sich die SCJ am Besten auf den Philippinen einbringen können.
Das Formierungsprogramm des Distrikts begann 1995 mit der Annahme der ersten Kandidaten. Mehr als 30 Philippiner, sowie 8 Vietnamesen haben die Gelübde abgelegt. Es gibt drei philippinische SCJ Priester. Das Hauptaugenmerk des Distrikts liegt auf der Ausbildung, jedoch unterhält man auch einige Gemeinden, sowie ein Programm für junge Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Zukünftig soll die Priorität unter anderem auf der Bildung einer Gemeinde in Manila (Verhandlungen mit dem Bischof werden fortgesetzt), einer neuen Gemeinschaft im Gebiet von Dansolihon, der Entwicklung eines Einkehrzentrums und einer stärkeren Nutzung Manilas als Studienzentrum für Priester und Religiöse. Der Distrikt hofft sich auf eine größere Eigenständigkeit hin zu entwickeln. Die U.S. Provinz unterstützt den Distrikt darin einen Geldbeschaffungsplan zu entwickeln. P. Rino dankte der Kongregation für die kontinuierliche finanzielle Unterstützung.
P. Martin Ooji sprach über Indien und den Anfängen vor 15 Jahren mit nur einer Handvoll SCJ. Der Bereich umfasst nun dutzende Seminaristen 11 geweihte indische SCJ. Indien nimmt den Ruf ein Teil der internationalen Kongregation zu sein sehr ernst. Manche ihrer Männer dienen und/oder studieren in Brasilien, Argentinien, Indonesien, Rom und Irland.
Ziele für die Zukunft beinhalten weitere Arbeit mit Straßenkindern, erweiterte Missionstätigkeiten in den Gemeinden in Eluru und Guntur und – wenn alles so läuft wie geplant – einer Mission in Mumbai, einem Gebiet mit vielen Nöten aber auch vielen Möglichkeiten. P. Martin sagte, dass dort ein ausgezeichneter Ort für das Provinzialat wäre.
Indem er die finanzielle Abhängigkeit des Distrikts anmerkte, bedankte sich P. Martin gleichzeitig für die Großzügigkeit vieler Gebiete. Die Kongregation war nicht nur spendabel, was Geldmittel angeht, sondern auch mit Personal.
Rom II – die internationale Hochschule
Das Kapitel hörte außerdem einen kurzen Bericht über die internationale Hochschulgemeinschaft, oder Rom II. Sie ist eine dynamische Gemeinschaft die nicht nur Bildungschancen an zahlreichen Hochschulen anbietet, sondern Studenten auch den globalen Aspekt der Herz-Jesu-Brüder nahebringt. Tatsächlich ist es eine der internationalsten Gemeinschaften der Kongregation. Zusammen mit der Generalkurie und dem Personal sind 44 Mitbrüder, Repräsentanten aus 19 Gebieten, in Rom II.
Herausforderungen an die Gemeinschaft beinhalten den jährliche Umschlag, wenn Studenten, die ihre Studien abgeschlossen haben, zu ihren Heimatbezirken zurückkehren und neue Studenten ankommen. Obwohl es sehr lebensförderlich ist in einer internationalen Gemeinschaft zu leben, so gibt es doch natürlich auch kulturelle Unterschiede die einen Herausforderung darstellen können. Dennoch ist solch eine Gemeinschaft, selbst mit diesen Herausforderungen, ein wunderbarer Ausdruck von „Wir, die Kongregation“.