Generalkapitel der Herz-Jesu-Priester vom 11. Mai bis 12. Juni 2009
Bericht von Mary Gorsky, Sekretärin der nordamerikanischen Provinz
Hier: Die deutsche Übersetzung
29. Mai: Die zweite Woche kommt zum Ende
Das Kapitel beendete seine Arbeit früh am Freitagnachmittag und schloss den Tag mit einer Messe ab. P. José Ornelas Carvalho war Hauptzelebrant, mit ihm am Altar war die neue Administration (mit Ausnahme von P. Albert Lingwengwe, der sich zum Zeitpunkt seiner Wahl am Donnerstag im Kongo aufhielt).
Finanzielle Anliegen
Die heutigen Gruppendiskussionen setzten sich mit dem Thema der Finanzen auseinander. Um einer ernsten Sache einen positiven Beigeschmack zu verleihen, wurden die Gruppen nicht durch Buchstaben oder Nummern identifiziert, sondern durch Währungen. So gab es beispielsweise eine „Yen-Gruppe“, „Euro“, „Rupie“ „Rand“ und „Dollar“. Während der anschließenden Diskussion im Plenum wurden Bedenken in Bezug auf gemeinsame Kassen, Transparenz, Teilung von Ressourcen, Haushaltsplanung und dem Leben gemäß dem Lebensstandart der Region in der man missioniert geäußert.
Wie bereits in den Diskussionen über den Bericht des Generalökonoms in der letzten Woche gesagt wurde, bedeutet das Teilen der Finanzen nicht bloß eine Begleichung der ausstehenden Rechnungen, sondern einen religiösen Lebensstil. Die Ideen von Transparenz, Teilen und Leben innerhalb angemessener Umstände muss bereits während der Ausbildung und darüber hinaus während des gesamten Lebens eines SCJ ständig betont werden – nicht bloß individuell, sondern gemeinschaftlich.
Mehrere Gruppen befürworteten das „1%-Konzept“ als eine nützliche Finanzierungsmethode. Der finanzielle Austausch, der bereits zwischen einigen Provinzen oder der Generalkurie besteht, wurde auch unterstützt. Man forderte dazu auf, das Gemeinschaften Einkommen schaffende Arbeit anstreben sollten, sowie andere finanzielle Einnahmequellen auftun sollten, wie beispielsweise Gönner oder Investitionen. „Wir müssen eine Balance schaffen zwischen der Seelsorge, die eventuell finanzielle Unterstützung benötigt und Arbeit, die dazu beitragen kann die Gemeinschaft zu tragen,“ so eine Gruppe.
Eine gute Ausbildung der Ökonomen war ein weiteres Konzept, das man wieder aufgegriffen hat, genauso wie die Notwendigkeit einer Standardisierung der Finanzbuchhaltung. Die Unterstützung durch Experten sollte bei Bedarf dazugeholt werden. Ökonomen sollten sich selbst mehr als Animatoren anstatt als Administratoren betrachten.
Es wurde Anerkannt, dass Autonomie oder finanzielle Selbständigkeit nicht für alle Gebiete möglich ist. Dennoch wurde betont, dass es viele gibt, die auf eine Selbständigkeit innerhalb ihres täglichen Lebens oder eventuell in ihren Ausbildungsprogrammen hinarbeiten könnten. Finanzierungen von außerhalb könnten dann für außergewöhnliche Ausgaben eingeholt werden.
Ressourcen könnten zusammengefasst werden, wenn dies möglich ist, so wir es bereits bei der Formation in vielen Gebieten gemacht wird. Die Studenten bekommen einen globaleren Blickwinkel über die Kongregation geboten, wenn sie international studieren. Kombinierte Ausbildungsprogramme sind ein Weg die Kosten und Bedarf an Personal zu minimieren. Gemeinschaftsprojekte sollten generell gefördert werden.
Ein Drei-Jahres-Plan könnte den Bereichen dabei helfen, sich besser auf die Bedürfnisse vorzubereiten.
Im Anschluss an die Gruppendiskussionen durften auch persönliche Meinungen geäußert werden. Obwohl viele Themen die Finanzen betreffend in den Gruppen diskutiert worden waren, beschränkten sich die persönlichen Kommentare jedoch auf die Individualität und was es bedeutet in Armut zu leben. Mehrfach wurde geäußert, dass die SCJ in einfacheren Verhältnissen leben sollten, besonders, wenn sie unter den Armen und Randschichten leben.
„Selbst wenn wir einfach leben haben wir doch Sicherheit“ sagte ein Delegierter. Als ein SCJ hat ein Mann immer einen Ort zum leben, die Möglichkeit einer Ausbildung und Arbeit. Er hat immer Anspruch auf Krankenversorgung. Er hat immer Essen. „Wir müssen unseren eigenen Lebensstil denen anpassen, unter denen wir leben und arbeiten, mit dem Wissen, dass wenn wir dies tun, wir dennoch den Komfort von Sicherheit genießen.“
Es sei schwer konsequent gemäß dem Armutsgelübde zu leben, meinte ein Delegierter. „Es ist immer leicht eine Entschuldigung dafür zu finden, warum wir in einer bestimmten Art und Weise leben, oder warum wir etwas haben sollten.“ Das heißt nicht, dass die SCJ keine „Dinge“ besitzen dürften, jedoch sollten sie die Frage reflektieren, was wirklich gebraucht wird und was bloß gewollt wird. Dieser Kampf beschränkt sich nicht nur auf eine Kultur oder eine Altersgruppe. Es ist eine kontinuierliche Anstrengung für die meisten Menschen, besonders solche mit bequemen Neigungen.
Die Mitbrüder der Kongregation müssen sich gegenseitig in die Verantwortung nehmen, um miteinander in einfachen Verhältnissen zu leben. Es bedarf an klaren Strukturen, die den Mitgliedern der Gemeinschaft helfen, verantwortungsvoll zu sein.
Diese individuellen Gedanken wurden zusammen mit den Meinungen der Gruppendiskussion werden in die weiterführende Arbeit des Kapitels eingearbeitet.
Berichte der Provinzen
Die heutigen Berichte der Provinzen kamen aus Chile und Venezuela.
P. Julien Braun aus Chile berichtete, dass die größten Herausforderungen der Provinz derzeit die abnehmende Mitbrüderzahl und der Mangel an SCJ aus der Altersgruppe der 45-65-jährigen darstellen. Es gibt junge SCJ, jedoch sind diese noch nicht bereit entscheidende Führungspositionen, wie im Bereich der Ausbildung, zu übernehmen. Chile kollaboriert diesbezüglich bereits mit anderen Gebieten.
Die Prioritäten der Provinz liegen in der Formation, Jugendpastoral, Ausbildung, Missionsanimation, Gemeindearbeit und einem Programm für Drogenabhängige. Wegen der abnehmenden Anzahl denkt man darüber nach, den Status einer Provinz aufzugeben und stattdessen Region oder Distrikt zu werden. „Es gibt Herausforderungen, jedoch gibt es auch eine starke Bereitschaft unter den Mitbrüdern all zu tun was nötig ist um sich voll für die Provinz einzusetzen“ sagte P. Julien. Er meinte, dass es am Ende die beste „Werbung“ der Provinz für ein religiöses Leben ist – eine glückliche, gesunde, brüderliche Gemeinschaft lockt diejenigen an, die sich berufen fühlen.
P. Jesus Garcia, Provinzial von Venezuela, berichtete von der Geschichte der Region. Im Jahre 1953 betrat die Kongregation mit der Ankunft spanischer SCJ zum ersten Mal das Land. Obwohl Venezuela 2003 zur Region wurde, ist es dennoch von „ihrer Mutter Spanien“ abhängig, so P. Jesus. Ihre Mitbrüder sind sehr jung — das Durchschnittsalter beträgt 44 Jahre. Obwohl es nur 30 SCJ im Land gibt, gibt es dennoch bereits einen Missionierungs- und Gemeinschaftsgeist. Einer der Mitbrüder missioniert in Argentinien, weiterhin besteht eine Kollaboration im Bereich der Ausbildung mit Chile und Spanien.
Zur Mission der Region gehören sieben Gemeinden, eine Berufsfachschule und drei Krankenhäuser für die Armen. Eine ihrer Herausforderungen teilt sie mit dem ganzen Land: starke politische Spaltungen, die bereits zu Gewalt geführt haben. „In solch einer Atmosphäre sind wir als Förderer der Versöhnung gefragt.“
Zukünftige Herausforderungen stellen die Entwicklung einer anhaltenden Formation, finanzielle Selbständigkeit und eine Ausweitung der Jugendpastoral auf Universitätsebene dar.
Projekt Update
Das Kapitel hat Informationen über drei Bemühungen der Kongregation erhalten. Das erste, Angola, wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt des Kapitels in einem der Berichte präsentiert. Zukunftspläne verlangen nach einer Etablierung einer dritten Gemeinschaft in der Region. Die Arbeit soll Sozialarbeit, eine Druckerei und einen Computer Workshop umfassen. Der Bischof bat die SCJ sich auf die Jugendarbeit zu konzentrieren. Die SCJ treffen sich bereits mit Jugendgruppen. Obwohl die SCJ nicht lange im Land sind, gibt es dennoch bereits vier Kandidaten und bis zum Jahr 2010 wird ein weiterer Novize erwartet. Die Gemeinschaft wird sich in der nahen Zukunft primär auf die Formation konzentrieren, die in Kooperation mit anderen Gebieten stattfinden wird.
Derzeit ist viel Umbau und Renovierung im Gange (der Krieg hinterließ viele Teile des Landes in Ruinen), wegen dem Mangel an Baumaterial steigen die Kosten dafür jedoch stetig. Die SCJ in Angola sind dankbar für die Großzügigkeit der anderen Provinzen. Man hofft, das Angola sich durch Einkünfte aus Lehrgeldern, Landwirtschaft und weiteren Einnahmequellen bald wieder selbst finanzieren kann.
P. Antonio Panteghini informierte das Kapitel kurz über die Möglichkeiten im Tschad. Ein dortiger Bischof hatte erfahren, dass einige der ersten Taufen im Land durch Herz-Jesu-Priester durchgeführt worden sind. Er kontaktierte Bischof Virginio Bressanelli, als dieser noch Generaloberer war, und fragte, ob die Gemeinschaft nicht offen für eine Rückkehr in das Land wäre. Der Generalobere schlug vor, dass der Bischof die nächstgelegene SCJ Gemeinschaft in Kamerun. Da es eine Missinformation gab, erhielt der Bischof nicht die korrekten Kontaktdaten der dortigen SCJ. Einige Jahre später kehrte er in das Generalat in Rom zurück und schlug erneut vor, die SCJ in den Tschad zu schicken. Er war via E-Mail in der Lage, die Gemeinschaft in Kamerun zu kontaktieren und erste Gespräche zu etablieren.
Die Provinz Kamerun ist bereit dem Ruf des Bischofs zu entsprechen, eventuell durch eine Präsenz in einer der Grenzzonen des Tschad und Kameruns. Dennoch sei das Nachgehen dieser Mission von dem Einsatz des Kapitels abhängig, so P. Panteghini. Er merkte an, dass eine Mission dieser Größenordnung eine internationale Mission der Kongregation sein müsste. Er hofft, dass auch andere Gebiete sich darin engagieren.
Dieses Thema wird zu einem späteren Zeitpunkt im Kapitel wieder aufgegriffen.
Bei dem letzten Projekt handelt es sich um China. P. Ornelas betonte, dass es noch keine Pläne für eine Präsenz der SCJ in China gäbe, man würde jedoch derzeit eine solche Möglichkeit überprüfen. Die Kirche hat einen Aufruf gestartet, in China mehr Präsenz zu zeigen, wobei die SCJ bereits in bedeutende Dialoge mit der chinesischen Regierung in Indonesien getreten ist.
P. Jerry Sheehy hat das Land bereits zwei Mal besucht. Möglichkeiten für eine Präsenz der SCJ könnten Lehrtätigkeiten und Workshops beinhalten, sowie Sprachunterricht. Einige Mitbrüder der Kongregation haben bereits angeboten nach China zu gehen. P. General ist der Ansicht, dass eine Präsenz der SCJ im Land, selbst eine kleine, weitere Diskussionen wert seien.
Administrative Aufgaben
Vor Abschluss des Tages segnete das Kapitel die Protokolle vom 25. und 26.Mai ab und P. Marek Stoklosa gab noch eine Erklärung über die weitere Arbeit in der kommenden Woche bezüglich der Konstitution und der Generaldirektive ab.