Generalkapitel der Herz-Jesu-Priester vom 11. Mai bis 12. Juni 2009
Bericht von Mary Gorsky, Sekretärin der nordamerikanischen Provinz in der deutschen Übersetzung
20. Mai: Finanzbericht
P. Aquilino Mielgo Domínguez, Generalökonom, präsentiert zusammen mit seinem Assistenten Aldo Ivaldi den Finanzbericht.
Nachdem das Protokoll verlesen und abgesegnet war, richtete das Kapitel seine Aufmerksamkeit auf den Finanzbericht des Generalökonoms, der von P. Aquilino Mielgo Domínguez, Generalökonom, vorgestellt wurde.
P. Aquilino bemerkte einleitend, dass dieser Bericht nur eine Momentaufnahme darstellt. Die finanzielle Situation der Kongregation ist nicht das Ergebnis von Entscheidungen der vergangenen sechs Jahre, sondern eine Bilanz der gesamtgeschichtlichen Entscheidungen der Herz-Jesu-Priester. Um die gegenwärtige Situation besser verständlich zu machen, verwies P. Aquilino auf das Kapitel aus dem Jahre 1973. In dieser Zeit stand die Kongregation auf einem starken finanziellen Fundament. Die apostolische und ökonomische Entwicklung war gut. Die Generaladministration besaß ausreichend Eigenkapital, um für seine Tätigkeiten aufzukommen. Man verfügte über Grundbesitz in Rom und der Schweiz und besaß solide Kapitalanlagen.
Die finanzielle Sachlage der Generalkurie veränderte sich jedoch im Laufe der Zeit. Die Anzahl der Gönner ist rückläufig (wenn auch nicht in allen Teilen der Kongregation). 1987 gab es einen Börsencrash [„Schwarzer Montag“]. Während die Einkünfte rückläufig waren, erhielt die Generalkurie gleichzeitig eine erhöhte Nachfrage an finanzieller Unterstützung innerhalb der ganzen Kongregation. Als Antwort auf diesen gestiegenen Bedarf der Generalkurie musste Grundbesitz veräußert werden, um das benötigte Kapital aufwenden zu können.
Während des Generalkapitels 1991 bemerkte P. Pigozzi, der damalige Generalökonom, dass eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen der Kongregation diejenige gewesen sei, „in diesem Haus zu bleiben, da dies in einem teuren Neugestaltungsprozess enden würde.“ Seine Worte waren prophetisch. Einige Jahre später wurde ein erheblicher Teil der verbliebenen Besitztümer der Generalkurie verkauft, um eine Umgestaltung des Generalates und die Erbauung der Villa Aurelia bezahlen zu können.
Die Vermögenswerte der Generalkurie im Jahre 2009 beschränken sich auf die Gebäude, die das Generalat (einschließlich des International College und der Generalkurie) beherbergen, sowie die Villa Aurelia und das Land, auf dem sie sich befinden.
Die betrieblich bedingten Kosten der Generalkurie werden beglichen durch Zinsen, die durch Investitionen gewonnen werden. Dennoch sind die Werte dieser Investitionen bei dem seit 2008 andauernden wirtschaftlichen Abwärtstrend in den Keller gefallen und somit auch die Einkünfte aus diesen Investitionen.
Ausgehend von Diskussionen, die während des Generalkapitels 2007 stattgefunden haben, hat die Generalverwaltung ein wirtschaftliches Regelwerk entwickelt, welches von der Finanzkommission begutachtet und abgesegnet wurde. Dieses Regelwerk konzentriert sich auf die Notwendigkeit 1.) finanzielle Belastungen innerhalb der Kongregation gemeinschaftlich zu tragen, 2.) einer effektiveren finanziellen Planung (besonders einer 3-Jahres-Planung innerhalb einer jeden SCJ-Provinz), 3.) einer Förderung finanzieller Autonomie, 4.) Ausbildung von Ökonomen, sowie 5.) der Notwendigkeit Rücklagenfonds zu bilden.
Während dieser Präsentation betonte P. Aquilino die Notwendigkeit eine finanzielle Transparenz und Solidarität aufzubauen, nicht nur als Mittel um die Arbeit der Kongregation zu unterstützen, sondern als ein Bestandteil des Rufes nach einem religiösen Leben. Sowohl die individuell Religiösen als auch die Gemeinschaften sollen weg von einem Individualismus hin zu einem Leben in der Gemeinschaft. „Die Verwaltung der Güter ist kein abstraktes Konzept, sondern ein wesentlicher Teil eines religiösen Lebens.“
„Ich würde in diesem Zusammenhang gern eine wichtige Feststellung machen,“ so P. Aquilino. „Uns fehlen viele Unterlagen. Jedes Jahr werden die Provinzen gebeten, ihre finanziellen Berichte einzureichen, welche die erhaltenen Unterstützungen und aufgewendete Finanzleistungen an andere Provinzen darlegen sollen. Leider kommen nur wenige dem nach.“
P. Aquilino sprach von dem 1%-Vorschlag, der vorsieht, dass jede Provinz unabhängig von ihrem Vermögen, 1% ihres Einkommens beizusteuern. Bisher sind jedoch nur wenige Provinzen diesem Vorschlag nachgekommen. Auch wenn es hierfür sicherlich unterschiedliche Gründe gibt, ist dies jedoch ein beträchtlicher Punkt im Mangel an stabilen Einkünften der Generalkurie.
Ferner haben nur wenige Provinzen einen Drei-Jahres-Plan entwickelt. Diese Pläne sind jedoch notwendig, um der Kongregation eine stabile Zukunft zu gewährleisten.
P. Aquilino sprach von den Arbeitsabläufen des Büros des Generalökonoms und gab an, dass Aldo Ivaldi, Buchhalter, sowie P. Vagner, der örtliche Ökonom, nunmehr innerhalb des Büros tätig sind. P. Vagner nimmt in Abwesenheit von P. Aquilino die Position des Generalökonoms ein.
Bezug nehmend auf die finanziellen Dokumente der Generalkurie, bemerkte P. Aquilino, dass, obwohl die Zahlen höher sind, die Generalkurie „ um 10% ärmer ist als in den Jahren zuvor.“ Sollten die Einnahmen aufhören, könnte sich die Generalkurie nur für ein Jahr finanzieren.
Gegen Ende des Berichts ging P. Aquilino auf die Villa Aurelia ein, welches als Hotel und Kongresszentrum auf dem Gelände des Generalates dient. Er ist der Meinung, dass sobald das Darlehen hierfür abbezahlt ist, die Villa Aurelia der Generalkurie als Einkunftsquelle dienen kann. Es ist ein gut besuchtes Haus, welches eine Vielzahl von Konferenzen beherbergt, darunter solchen mit Bischöfen, Kardinälen und einer Vielzahl von kirchlichen Organen. Die Zimmerbelegung ist seit dem wirtschaftlichen Abwärtstrend ein wenig rückläufig, jedoch im Vergleich erheblich geringer als in umliegenden Hotels.
Ausblick
P. Aqiulino betonte, dass die Kongregation ihren Blick nicht vor der Zukunft verschließen darf in der Hoffnung, dass sich das finanzielle Bild im Laufe der Zeit verbessern wird. „Aus der Krise neue Strategien entwickeln. Wir können dies als eine Möglichkeit nehmen um neues Leben zu schaffen.“ Er erinnerte die Delegierten, dass dies nicht die erste Krise ist, der die Kongregation begegnet ist. Bereits 1929 gab es einen Börsencrash, nicht zu sprechen von den Schwierigkeiten in Europa nach dem Krieg. „Diese Krisen waren jedoch nur temporär. Wir haben sie nicht nur durchgestanden, sondern sind durch sie als Kongregation aufgeblüht.“
Bericht des Wirtschaftskomitees
Das Wirtschaftskomitee des Kapitels, darunter P. Giacomo Cesano (IS), Br. Jorge Torres (CH) und Dr. José Gutiérrez. Dr. Gutiérrez, ein sehr versierter Ökonom, was finanzielle Belange von religiösen Vereinigungen angeht, sprach im Namen des Komitees und legte seinen Finanzbericht der einzelnen Abteilungen dar.
Dr. Gutiérrez bemerkte zunächst, dass der Bericht ausschließlich auf den Informationen beruht, die sie erhalten hatten. „Sie sind für die angeführten Zahlen verantwortlich, nicht das Komitee. Es basiert auf den Angaben, die sie uns gegeben haben.“
Eine der Schwierigkeiten bei der Analyse der Berichte waren die beträchtlichen Unterschiede bezüglich des Formats. Das Komitee empfiehlt mit Nachdruck eine universelle Formatvorlage für die Finanzberichte. Es wäre ideal, wenn die Kongregation Berichte hätte, die der Generalkurie einfach via Internet zugeschickt werden könnten. Andere Organisationen tun dies bereit; es gibt keinen Grund, warum die SCJ dies nicht auch könnten.
Das Komitee analysierte die verschiedenen Bereiche und stellte fest, dass scheinbar 45 % davon finanziell abhängig sind, 48 % autonom agieren und bei 7 % die Sachlage schwer zu bestimmen sei. Verschiedene Teile innerhalb dieser letzten Gruppe sind dabei finanziell Unabhängig zu werden. Manche glauben sie könnten nicht autonom agieren, jedoch sind sie tatsächlich in der Lage in ihren Hauptanliegen eigenständig zu arbeiten. In manchen außerordentlichen Unternehmungen mögen sie zwar noch Unterstützung benötigen, jedoch sind sie in der Lage sich mit allgemeinen Mitteln zu organisieren.
Nur acht der Provinzen erwirtschaften einen Überschuss, welcher mit der restlichen Kongregation geteilt werden kann. Dieses finanzielle Fundament muss erweitert werden, besonders im Hinblick darauf, dass die Mitglieder dieser acht altern und sich verringern. „Die Kongregation kann sich nicht auf sie als unendliche Quelle verlassen,“ so Dr. Gutiérrez.
Wenn man sich die Bücher anschaut, scheint es, dass die Herz-Jesu-Priester über ziemlich viel Geldmittel verfügen, jedoch ist dies nicht der Fall, meint Dr. Gutiérrez. Die SCJ sind nicht arm, aber auch nicht reich. Obwohl die Kongregation im Zuge der andauernden wirtschaftlichen Talfahrt einiges an Geld verloren hat (so ergeht es den meisten Organisationen), so scheint es jedoch rückblickend, dass die Anlagegüter in den vergangenen Jahren gut geführt worden ist. Andererseits hat die Kongregation nur ein kleines Polster auf dem ihre finanzielle Gesamtheit ruht.
Solidarität ist ein wichtiger Aspekt für die SCJ. Um eine volle finanzielle Solidarität zu gewährleisten bedarf es einer soliden finanziellen Berichterstattung. Jährliche Berichte müssen durch Anmerkungen, welche die Einkünfte und Ausgaben erläutern, begleitet werden. Außerdem bedarf es einer Langzeitplanung. Alle Organisationen brauchen zumindest einen jährlichen Etat. Das Komitee stimmt ebenfalls mit P. Aquilino darin überein, die Ausbildung von Ökonomen zu fördern.
Die Kongregation muss zusammenarbeiten um finanzielle Autonomie in den verschiedenen Bereichen zu gewährleisten. Die Bereiche, die um die Beschaffung von Geldmitteln und andere finanzielle Möglichkeiten wissen, müssen dieses Wissen mit den jüngeren Bereichen teilen, die noch nicht autonom sind. Jeder Bereich beschreitet einen unterschiedlichen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit, jedoch ist es wichtig, dass die Kongregation geschlossen diesen Weg gemeinsam geht.
Berichte der Provinzen
Einen weiteren Tagesordnungspunkt stellten die Berichte der Provinzen aus Südafrika und dem Kongo dar. Jeder hob sein Wirken und seine Stärken hervor, genauso wie seine Herausforderungen an die Zukunft.
Die vorherrschenden Herausforderungen in Südafrika sind Berufungen, finanzielle Autonomie und die Erneuerung eines Gemeinschaftssinnes unter Männern, die zumeist allein leben, da ihre Gemeinden weit auseinander liegen. In der größeren Gemeinschaft sind die südafrikanischen SCJ gefragt, die Bedürfnisse von denjenigen, die an HIV/AIDS und anderen sozialen Herausforderungen leiden, anzusprechen.
In Südafrika gibt es beträchtliche Herausforderungen, jedoch bemerkt P. Zolile Mpambani, der für seine Provinz spricht, dass es auch einigen Grund zur Hoffnung gibt. „Obwohl unsere Zahl abnimmt, gibt es dennoch ein Gefühl von Kontinuität und ein geringes, aber stetiges Wachstum der Provinz in manchen Gebieten.“ Als besonders hoffnungsvoll sieht die Provinz das internationale Bildungshaus in Pietermaritzburg.
P. Wilson Hobold, der für den Kongo spricht, erzählte von den vielen Tätigkeiten innerhalb seiner Provinz. Es gibt neun Kirchengemeinden, obwohl viele von ihnen keinen eigenen Priester besitzen. Der Kongo unterhält ebenfalls eine Anzahl bedeutsamer sozialer Missionen, darunter Schulen für Behinderte und Straßenkinder, sowie Missionsarbeit im Gefängnis in Kisangani. Im Kongo beinhaltet Missionsarbeit im Gefängnis nicht bloß die Pastoral, sondern auch die Ernährung der Gefangenen. Den Inhaftierten wird im Gefängnis das Essen nicht garantiert. Oft obliegt es den Familien und anderen, die Ernährung der Gefangenen zu gewährleisten. Laut P. Hobold versucht die Provinz die Gefangenen täglich mit einer Mahlzeit zu versorgen. Jedoch sind diese täglichen Essensausgaben durch finanzielle Engpässe nicht gewährleistet.
Der Kongo wird immer mehr eine Provinz der Kongolesen. Jahrelang waren es ausländische Missionare, die die Kongolesen in der Gemeinschaft begrüßten. Nun sind es die Kongolesen, die die ausländischen Missionare begrüßen. Neuerdings gibt es in der Provinz Gemeinschaften, in denen ausschließlich einheimische SCJ tätig sind.
„Die Zukunft des Kongo, so wie in ganz Afrika, liegt im Kongo,“ so P. Hobold. „Die Ausbildung ist unsere höchste Priorität um eine starke Zukunft aufzubauen.“
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NOTE: The majority of photos taken at the General Chapter will be posted at the congregational website,
http://www.dehon.it.
I'll be posting some of the photos I take at http://www.scjusa.smugmug.com To see them, click on the first gallery, or go directly to:
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Mary Gorski